Sonntag, 26. Oktober 2008

6. Woche, 5 Oktober bis 12 Oktober

Die folgende Woche darauf begann anstrengend, da wir alle noch müde Beine hatten. Doch wir bereiteten uns schon auf den Höhepunkt dieser Woche vor: Die drei Tage in “Gran-de Prairie“ und “Peace River“. Die vier Tage vergingen wie im Fluge und jeder freute sich auf das Wochenende.
Als Gentleman verbrachte ich die meiste Zeit nach der Schule mit Porcia. Sie lud mich auch noch zum Essen ein und hier muss ich ein Lob an ihre Mutter anbringen, denn das Essen war köstlich.
Endlich war es soweit: Freitagmorgen 6 Uhr. Wir besammelten uns alle bei unserer Trainigshalle “Springbank“. Wir hatten eine neunstündige Fahrt in den Norden vor uns, mit einem Stopp bei einem A&W (ähnlich McDonalds und Burger King). Unser erstes Ziel war Grand Prairie, wo wir bei Ankunft auch gleich unser Hotel aufsuchten. Wir staunten alle nicht schlecht als wir in die luxuriösen Zimmer kamen. Jeder der 5 Verantwortlichen, sprich die 3 Captains ( Garrett Trummer, Woddy Kapp und Philip Pollok) und die zwei Assistans (Thomas Meinhardt) über-nahm ein Zimmer mit drei Mitspielern. Vor dem Match gingen wir noch zu “Boston Pizza“ (Re-staurant) um uns mit Spaghetti die nötige Energie zu holen.
Das Spiel lief gut und obwohl wir nach dem zweiten Drittel 4 zu 3 hinten lagen, kehrten wir das Spiel mit 8 zu 5 und feierten unseren ersten Sieg.
Nach einer schönen Nacht in Luxusbetten ging es dann am nächsten Tag zwei Stunden in südliche Richtung nach Peace River. Wir wussten, dass wir gegen das stärkste Team unserer Gruppe spielen werden und so versuchten wir uns bestmöglichst vorzubereiten. Das Spiel war hart aber fair. Nach einem ausgeglichenen ersten Drittel, wollten wir im zweiten Drittel das Blatt auf unsere Seite wenden. Leider ist es uns nicht geglückt und wir lagen 4 zu 3 hinten. Auch mit der Umstellung auf zwei Linien konnten wir das Blatt im letzten Drittel nicht wenden und verloren schlussendlich mit 5 zu 3. Nach diesem harten Spiel gingen wir alle zurück in un-ser Motel. Jeder bereitete sich auf seine Art auf den nächsten Tag und somit auf das zweite Game gegen Peace River vor. Sei es durch relaxe, kindische Spiele auf dem Bett, geniessen eines NHL-Games im TV (oder auch anderen Sendern ;D) und was man sonst noch so alles anstellen konnte.
Jedenfalls war jeder am nächsten Morgen willig und bereit um jeden Puck zu kämpfen, aus-teilen aber auch einstecken zu können. Das Spiel war höchstes Niveau, es wurde nichts ge-gönnt. Nach 30 Minuten stellten wir auf zwei Linien um, was alle wie auch mich nahe an die Grenzen trieb. Nicht verwunderlich kam es dann zur Verlängerung, in welcher niemand ein Tor erzielte. Penaltyschiessen war angesagt. Es dauerte lange bis ein Team den Sieg feiern konnten und zu unserem Unheil leider nicht wir.
Wer hat Lust nach einem solchen Weekend noch 7 Stunden im Car zu sitzen? Niemand; und so war während der ganzen Carfahrt eine betrübte Stimmung. Als wir um zwei Uhr morgens dann ankamen war jeder müde. Die meisten wurden nach Hause gebracht, einige, mich eingeschlossen, verbrachten noch eine kurze Zeit mit der Freundin, gingen aber dann doch bald ins Bett, worüber meine Freundin nicht gerade freudig war.

Samstag, 25. Oktober 2008

5. Woche, 29 September bis 5 Oktober

Es war Montagmorgen um 5.30 Uhr als mein Wecker laeutete. Ich stand halb erfroren auf und zog meine Hockeyunterwäsche an. Dies ist nötig, da ich jeden Morgen draussen auf Simon warte, der mich abholt. Und da es gegen die null Grad ist, kann ich sagen dass diese Unter-wäsche durchaus angebracht wird.
Montags hatten wir endlich wieder Training. Es tat gut wieder auf dem Eis zu stehen. Von die-sem Tag an war es mir auch erlaubt mein Visier zu tragen, da meine Eltern eingewilligt haben. Jedoch überlege ich mir noch wieder auf Gitter zu wechseln, aber wir sehens ja noch.
Am Mittwoch hatten wir dann unser letztes Vorbereitungsspiel gegen eine Varsity Junior Mannschaft, die wir erfolgreich mit 5:1 geschlagen haben. Ich für mich hatte ein gutes Spiel, jedoch muss ich jedes mal vor einem Training oder Match meine Handgelenke gut einwär-men, da sie ohnehin schon irgendwie schmerzen. Meine momentane Position ist noch unklar da mich mein Defense-Coach hinten braucht und der Forward-Coach vorne. Soll heissen ich kriege immer genug Eis da ich hinten und vorne spiele. Ist zwar anstrengend aber macht Spass.
Ah, und noch anzumerken ist, dass ich seit Montag eine Freundin (Porcia) habe. Aber etwas muss gesagt sein. Ich komme jetzt noch nicht ganz nach wie das hier funktionier mit den Be-zeichnungen „Hang-out“, „Dating somebody“ und „Girlfriend“. Weil eigentlich haben wir uns schon längstens geküsst aber sie ist erst seit Montag meine Freundin und ohne das wir geda-ted haben. Wie die Liebe doch so verwirrend ist.
Nach dem Match vom Mittwoch ging es dann in zwei Trainings am Donnerstag, eins am Frei-tag zu unserem ersten Saison-Match am Freitagabend über. Die Halle war voll (dank unserer Propaganda in der Schule), wobei sie nur etwa 300 Personen fasste. Man konnte die Span-nung förmlich riechen, als der erste Puck eingeworfen wurde. Wir waren alle gut vorbereitet, jedoch hatten alle sehr müde Beine von den vielen Trainings. Doch wir hielten uns gut und kamen zu etlichen Torchancen, worauf dann der ersten Gegentreffer nach 10 Minuten schmerzte. Wir bissen uns durch und folgten ihnen auf ein 1:1 und nach der Hälfte des 2ten Drittels auf ein 2:2. Ich spielte wieder Foward und Defense, was zu kürzeren Pausen und länge-ren Eiszeiten führte. Als dann im Ende des 2ten Drittels das 2:3 und das 2:4 fielen musste unser Coach handeln. Das letzte Drittel spielten wir mit 2 Linien, wodurch wir sie so unter Druck setz-ten, dass sie nur noch den Puck aus ihrer Zone schossen. Doch die Tore wollten einfach nicht geschehen und so verloren wir bitter mit 2:4 unser erster Saison-Match.

Samstag, 4. Oktober 2008

Erster Monat

Etwa 12 Stunden Flug und für mich etwa 30 Stunden ohne Schlaf hatten wir hinter uns, als wir endlich in Cochrane ankamen. Es war für mich wohl eine der längsten Reisen die ich je hatte.
Es war ca. 1pm als wir mit dem Bus unserer zukünftigen Schule, der Bow Valley Highschool, näherten. Unsere Gasteltern erwarteten uns bereits voller Spannung. Es wurde alles ausgela-den und wir marschierten alle, müde von der Reise, in das flache Gebäude.
Schliesslich wurden die Spieler aufgerufen und ihren Familien zugeteilt, die sie herzlichst will-kommen hiessen. Doch als am Schluss Polly, Zach und ich ohne Familie da standen, waren wir schon ein bisschen verwundert. Jedoch wurden wir sogleich informiert, dass unsere Eltern noch nicht hier sind (Urlaub etc.). So wohnten wir drei während den ersten zehn Tagen bei den Assistentcoaches Roger und Simon. Es war zwar ein bisschen eng zu dritt auf einem 1.50m x 2.00m Bett aber wir hatten Spass.
Die ersten Tage in der Schule waren speziell. Von jeder Seite wurde man betrachtet und wenn man an einer Gruppe vorbei lief, fielen leise Worte wie Hockeyplayer, SISEC, Switzerland und noch etliche mehr. Jedoch konnte sich jeder gut einleben. Ich für meinen Teil war schon nach kurzer Zeit in der Lektion „Sports Perfomance“ als Mathgenie bekannt. Dies nur weil ich im Prozentrechnen schneller war als der Lehrer mit dem Rechner.
Man konnte wirklich sagen, dass alle begeistert von uns waren und uns kennenlernen wollten. Sei es durch Handynummern verteilen an die Girls oder durch die berühmte Frage “Yo, wassup?“ an die Boys.
Anfangs war es noch ein bisschen schwierig einer Konversation zu folgen und mit zu reden. Doch jetzt nach etwa einem Monat ist dies kein Problem mehr. Manchmal musste ich nach-fragen was sie gesagt haben oder was dieses und jenes Wort bedeutet. Aber es heisst ja so schön: “Learning by talking“ oder mit den Girls “Learning by flirting“
Ja die Girls haben sich sozusagen um uns gerissen. Anzufügen ist, dass auch ich schon ein paar Probleme verursacht habe. Dabei wollte ich doch nur mit einer ein bisschen Cochrane ansehen gehen, doch sie verstand es als Date. Und als ich schliesslich mit ihrer Kollegin aus-ging, hatte die erste keine Freude daran.
Autofahren mit 16? Ja so ist es hier, denn auch schon mit 14 und in Begleitung eines Elternteils ist man erlaubt mit dem Auto zu fahren. Verrückt, nicht? Jedenfalls war es mir Anfangs schon ein bisschen mulmig als ich von gleichaltrigen herumkutschiert wurde. Und zudem waren es bis jetzt nur Girls, warum ich auch immer den Sicherheitsgurt anlegte.
Schliesslich konnte ich nach etwa zehn Tagen zu meiner Familie. Ich wurde mit einem Ge-kreisch von etwa acht kleinen, schreienden Mädchen empfangen. Es war eine Geburtstags-party im Gange wie ich bemerkte. Meine zukünftigen Eltern Holly und Mark hiessen mich Will-kommen. Beide sind etwa mittleren Alters, unheimlich lieb und sagenhaft lustig. Beide sind einmal geschieden. Mark hatte mit seiner ersten Frau ein Mädchen Kira (10 J.), welche hin und wieder bei uns ist. Holly hatte mit ihrem ersten Mann Bridan (9 J.), der jetzt mit Holly und Mark lebt. Zusammen haben sie noch zwei Mädchen, Ava (2 J.) und Ridley (6 J.)
So begann mein Leben für ein Jahr bei einer anderen Familie. Heimweh hatte ich jedoch nie gross, meine Eltern hier sind fast so für mich da wie Mam und Pap zuhause. Am meisten Freu-de habe ich an Mark, meinem Dad, der immer lustig Witze bringt, mit dem ich Rülps-Wettkämpfe machen kann etc.
Rückblickend hatte ich einen schönen ersten Monat mir vielen guten Erfahrungen (mit der Aussprache von Microwave, was gar nicht so einfach ist) und Erlebnissen.